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Evangelische Kirche in Hessen und Nassau will Frauen- und Familienbildung massiv einschränken
Kirchenleitung setzt für die Zukunft neue Prioritäten und beschließt den Zuschuss für die Frauenarbeit der Landeskirche um 30% zu kürzen.

DARMSTADT, 4. November 2009. Ein Kahlschlag für die Arbeit mit Frauen und Familien in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) bedeutet die Beschlussvorlage der Kirchenleitung, die der vom 24. bis 28. November tagenden Synode vorliegt. Nachdem die EKHN den Verband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V. im Jahr 2007 beauftragt hat, die Frauenarbeit der Landeskirche zu gestalten, will die Kirchenleitung die Arbeit jetzt massiv einschränken. Der Zuschuss für den Frauenverband der Landeskirche soll um 30% gekürzt werden – eine Entscheidung gegen Frauen und insbesondere gegen die Arbeit mit Familien.

Im Frühjahr hatte die Steuerungsgruppe der „Perspektive 2025“ der EKHN-Synode eine Sparliste vorgelegt. Was den Frauenverband betrifft, wurde die Vorlage von der Kirchenleitung unverändert übernommen. „Es ist unverständlich, dass die Kirchenleitung sich ohne jede Begründung diesem Kürzungsvorschlag angeschlossen hat“, sagt die Vorsitzende Christiane Drewello-Merkel „Es wurde uns mehrfach erklärt, dass die Sparliste der Steuerungsgruppe eine erste Ideensammlung sei, die ohne Fachkenntnis der einzelnen Arbeitsfelder entstanden sei.“.

„Dies ist eine Abwertung der Frauen in der Kirche und hat nichts mehr mit Sparen zu tun“, sagt Sylvia Puchert, geschäftsführende Pfarrerin des Verbands. „Die Arbeitsstelle Frauen in der Kirche gibt es nicht mehr, die Gleichstellungsbeauftragten in den Dekanaten stehen kurz vor dem Aus, und nun gefährdet die EKHN die Kernaufgaben der Evangelischen Frauen: Frauen– und Familienbildungsarbeit. Die EKHN hat mit dem Verband im Jahr 2007 einen Kooperationsvertrag geschlossen und uns mit dieser Arbeit beauftragt. Es ist nicht redlich, mit dieser Kürzung die Arbeit des Verbands zu schädigen“, so Puchert. Schon jetzt erwirtschaftet der Verband zwei Drittel seiner Einnahmen selbst, ein Drittel wird von der EKHN finanziert. Wird die Kürzung umgesetzt, bedeutet dies, dass die EKHN ihren Finanzierungsanteil auf ein Fünftel reduziert.

Derzeit entwickeln sich die vier Familien-Bildungsstätten des Verbands in Gießen, Offenbach, Wiesbaden und der Wetterau zu Familienzentren. Gerade in einer Zeit, in der in Gesellschaft und Politik immer mehr erkannt wird, dass Familien Unterstützung brauchen, kürzt die EKHN die Mittel für diese wichtige Arbeit. Die Frauenarbeit des Verbands unterstützt die ehrenamtliche Arbeit in der Kirche, die, wie bekannt, zu zwei Dritteln von Frauen geleistet wird. Mit jährlich über 50.000 Teilnehmenden sind die Angebote der Evangelischen Frauen stark gefragt.
„Gerade die Evangelische Kirche hat mit einem Glaubensverständnis, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt gesehen werden, viel zu Würde und Ansehen von Frauen beigetragen. Die Evangelischen Frauen blicken auf mehr als 100 Jahre Frauen-Kirchengeschichte zurück. Und auch wenn mit Angela Merkel, Margot Käßmann und Christine Lieberknecht drei evangelische Frauen in höchste Ämter gewählt worden sind, ist die Arbeit noch lange nicht zu Ende“, sagt Puchert und fordert die Mitglieder der Synode zum Handeln auf: „Beantragen Sie, dass die Frauenarbeit runter von der Kürzungsliste kommt“. Gemessen am Gesamthaushalt der EKHN von rund 506 Millionen beträgt der Zuschuss für den Frauenverband bisher schon nur 0,24% (Planzahl für 2009 im Jahresbericht der EKHN).