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Kein Platz blieb frei bei der Werkstatt Feministische Theologie

„Mein Herz schlägt bei der biblischen Tradition. Wir dürfen uns da als Frauen nicht herausschleichen. Das erfordert viel Kreativität und bringt Reibung mit sich, bis wir die von Männern aufgeschriebenen Worte mitsprechen können. Dass wir Frauen königliche Figuren werden und es schaffen, die Verletzung aus der Tradition zu überwinden, daran möchte ich arbeiten.“ Mit diesem feministisch-theologischen Bekenntnis nährte Prof. Dr. Klara Butting die ohnehin schon hohen Erwartungen der Teilnehmerinnen an die Werkstatt Feministische Theologie, die im August im Koster Höchst/Odenwald stattfand. Ein ganzes Wochenende lang sollte es hier um nichts Geringeres gehen als um „Jesus, der Christus für mich?“ und damit um Kernthemen des eigenen Glaubens: Wer war, wer ist Jesus Christus? Wie wird Jesus zu Christus? Was macht die Einzigartigkeit Jesu aus? Wie kann ich verstehen, dass Jesus für mich gestorben sein soll, für meine Sünden? Die Referentin und Mitübersetzerin der Bibel in gerechter Sprache erläuterte zunächst, was Evangelien sind und stellte den Rückbezug zur Hebräischen Bibel her. Sie führte in die Geschichte und Bedeutung des Messias/Christus-Titels ein und erklärte dessen politische Dimension vor dem Hintergrund des universalen Machtanspruchs des römischen Reiches. Die Arbeit an biblischen und zeitgenössischen Texten vertieften z. B. eine Diskussion über die Entpolitisierung und Individualisierung des Verständnisses von Sünde, die in der Tradition für Frauen fatale Folgen hatte und den Blick auf Jesus Christus völlig verzerrt.

Die 25 Teilnehmerinnen genossen es sichtlich, in Klara Butting eine fundierte und gleichzeitig authenti-sche Expertin als Gesprächspartnerin zu haben, denn hier ging es um die „Basics“ christlicher Identität, nicht nur intellektuell, sondern auch existentiell. Musik und kraftvolles Singen mit Flois Knolle Hicks und meditative Tänze mit professioneller Leichtigkeit, angeleitet von Margarete Heilmann, unterstützten und vertieften die Arbeitsprozesse der Gruppe und der einzelnen Frauen.
Pfarrerin Eli Wolf schätzt die Werkstätten Feministischer Theologie vor allem, weil sie thematisch immer ganz nah an den theologischen Fragestellungen der Gegenwart orientiert seien und von daher innovativ wirkten. Co-Leiterin Kristin Flach-Köhler sieht in diesem mehrtägigen Veranstaltungsrahmen einen guten Ort, an dem sich Vielfalt im Glauben zeigen kann und mit ihr zu leben praktisch eingeübt werden kann, wie diesmal mit einer gemeinsam gestalteten Mahlfeier. Für die Teilnehmerinnen ist viel in Bewegung gekommen mit der Erkenntnis, dass Leben zart und fragil sei und ebenso auch der Glaube, nicht nur der eigene. Die Werkstatt Feministische Theologie wird in jedem Jahr als Kooperationsveranstaltung des Evangelischen Frauenbegegnungszentrums - EVA - in Frankfurt und dem Verband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e. V. angeboten. Interessierte finden weitere feministisch –theologische Angebote auf den Internetseiten der Veranstalterinnen: www.eva-frauenzentrum.de oder www.EvangelischeFrauen.de

gez. Kristin Flach-Köhler
Referentin für Frauen Bildung Spiritualität
in der Propstei Rheinhessen