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Cornelia Marschall
Cornelia Marschall

Pressemitteilung vom 14.07.2009

Frauen stärken - was Weltgebetstags-Projekte auszeichnet

Seit 60 Jahren Weltgebetstagsgottesdienste in Deutschland - seit 50 Jahren Frauenprojektförderung weltweit.

HESSEN, 14. Juli 2009. In der Frankfurter St. Katharinenkirche trafen sich am 11. Juli 2009 über 400 Frauen aus ganz Hessen, um ein ökumenisches Fest mit Gottesdienst zu feiern. Die Frauen gehören zur evangelischen, katholischen, alt-katholischen oder methodistischen Kirche. Seit 60 Jahre feiern sie immer am ersten Freitag im März den Weltgebetstagsgottesdienst in ökumenischer Gemeinschaft. Eingeladen hatte die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft des Weltgebetstags im Bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau unter Federführung der Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau e.V..

Zum Auftakt des Fests informierte Cornelia Marschall, Leiterin des Projektreferats des deutschen Weltgebetstags (WGT), die Gäste in einem Vortrag über „Die Entwicklungspolitische Arbeit des Deutschen Weltgebetstags“. „Der besondere Mehrwert am Weltgebetstag ist das und“, sagte Marschall „Informiert beten und betend Handeln. WGT-Frauen bestehen auf der Einheit von Beten und Handeln. Mit unseren Projekten entsteht Begegnung und Unterstützung auf Augenhöhe.“ In Jahr 2009 hat das Deutsche Weltgebetstagskomitee bereits Förderungen für 70 Projekte in 37 Ländern mit rund 1,3 Millionen Euro bewilligt.

Seit 60 Jahren feiern Frauen in Deutschland Weltgebetstagsgottesdienste. Seit 50 Jahren werden mit der WGT-Liturgie jeweils vertiefende Informationen zum Herkunftsland der Liturgie und spezielle Informationen über die Situation der Frauen dort verbreitet. Mit der Kollekte der WGT-Gottesdienste werden Frauenprojekte gefördert. Das besondere bei der Weltgebetagskollekte ist, dass sie zu 100% Frauen zugute kommt. Im Vergleich dazu fließen bei entwicklungspolitischer Förderung weltweit in der Regel nur ca. 5% der Fördergelder direkt in die Frauenförderung.

Wichtige Kriterien für die Vergabe von Fördermitteln des WGT sind, dass Projekte die Verhandlungs- und Gestaltungsmacht von Frauen stärken, ihre Lebensbedingungen verbessern und die Anerkennung und Teilhabe von Frauen in Kirche und Gesellschaft gestärkt wird. Am Beispiel von Kamerun, dem Land, das für 2010 die WGT-Liturgie erarbeitet, berichtete Marschall von ihrem Besuch bei Projektpartnerinnen. Von 1975 bis 1995 wurden in Kamerun meist Infrastrukturmaßnahmen zur Verbesserung der Lebensumstände der Frauen mit Projektgeldern gefördert. Seit der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking änderte sich der Fokus in der Frauenbewegung und in der WGT-Projektförderung. Seither stehen die Frauen selbst im Mittelpunkt. Förderprojekte im Bereich Bildung, Ausbildung, Gesundheit, einkommenschaffende Maßnahmen und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen haben Vorrang.

Die aktuellen Projekte des WGT, so auch in Kamerun, haben das Ziel, die Eigeninitiative von Frauen zu fördern. Sie ermutigen Frauen, ihren eigenen Weg zu gehen. Geschlechtergerechtigkeit wird als Schlüssel zu nachhaltiger Entwicklung begriffen. Die Projektmittel werden eingesetzt, um die Verwirklichung von Frauenrechten als effektive Strategie in der Entwicklungszusammenarbeit zu etablieren. Wie das in einzelnen Projekten geschieht, sieht sehr unterschiedlich aus, berichtete Marshall. Am Beispiel der Kleinstgewerbeförderung in Douala/Kamerun machte sie deutlich, wie Frauen als Kleinstkreditnehmerinnen z.B. für die Seifenpulverherstellung für den lokalen Markt wirtschaftliche Eigenständigkeit und Verhandlungsmacht erhalten. Wichtig sei dabei aber auch, die kulturellen Codes, wie die kulturelle Rolle der Frauen, Männer und Clans zu beachten, damit die Projekte gelingen können.

In einem anderen Beispiel berichtete Marschall von einem Workshop „Paarbeziehungen in der Bibel - Kameruner Theologinnen diskutierten“. Die Theologinnen nutzten die Vorbereitungen zum WGT 2010, um ihre Gemeinden zur Bibellektüre aus der Geschlechterperspektive anzuleiten. Sehr erfolgversprechend sei auch der Ansatz einer Projektpartnerin im Bereich Familienbildung: hier zögen auch die Männer mit, denn Familie hat einen hohen Wert. „Die WGT-Projektarbeit steht vor neuen Herausforderungen. Angesichts der Aidsproblematik und zunehmender Gewalt müssen wir mehr Männer ins Boot holen“, schloss Cornelia Marschall.

Im Festgottesdienst, den die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft des WGT in Hessen und Nassau gestaltete, wurde an wichtige Stationen dieser weltweit größten ökumenischen Laienbewegung in den letzten 60 Jahren erinnert. Viele Frauen sind dem WGT seit Jahrzehnten verbunden – zwei der Anwesenden feierten schon im Jahr 1951 hier in Frankfurt den Gottesdienst mit, was die Gäste mit Applaus würdigten. Anschließend wechselte die Festgesellschaft in das Gemeindehaus der St. Paulsgemeinde, um den Tag mit Musik und Gesprächen ausklingen zu lassen.

Zur Geschichte des Weltgebetstags in Deutschland:

Im Jahr 1949 wurde erstmals die Weltgebetstags-Liturgie ins Deutsche übersetzt, in einer Auflage von 10.000 Exemplaren gedruckt und von den Evangelischen Frauenwerken, Frauenverbänden und den Frauen der kleineren Kirchen überall in Deutschland verteilt. Viele Frauen empfanden nach dem zweiten Weltkrieg die Teilnahme am Weltgebetstag als ein Versöhnungsangebot. Die Kollekte der Gottesdienste war in den ersten Jahren zur Linderung der Kriegsfolgen, z.B. für Erholungsmütter und Kriegerwitwen bestimmt.

Im Jahr 1959 wurde auf Vorschlag der ökumenischen Frauengruppe in Frankfurt /Main erstmals das Herkunftsland der Liturgie und der Kollektenzweck verknüpft. Seither gibt es zur jährlichen Weltgebetstagsliturgie Materialien mit vertiefenden Länderinformationen über das Herkunftsland der Weltgebetstagsordnung, über die Situation der Frauen dort und Projekte, die gefördert werden.

Vielen Frauen in Frankfurt/Main wird der WGT 1980 besonders in Erinnerung sein. Die Liturgie mit dem Titel: „Freiheit verantworten“ kam aus Thailand. Einige Frauen fühlten sich von dem, was sie über Sextourismus und die Lebenssituation der Frauen aus Thailand und anderen Ländern, die hier bei uns im Sexgeschäft ihr Geld verdienen müssen, so herausgefordert, dass sie aktiv wurden. Sie gründeten die ökumenische Thailandgruppe, aus der eine Beratungs- und Unterstützungsarbeit hervorging. Der damals gegründete Verein heißt heute „FIM - Frauenrecht ist Menschenrecht e.V.“ und macht eine vorbildliche, professionelle und weit über die Grenzen Frankfurts hinaus anerkannte Arbeit.

Zur Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft des Weltgebetstag im Bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gehören:

  • Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau e. V.
  • Frauenreferat des Katholischen Bistums Limburg
  • Frauenreferat des Katholischen Bistums Mainz
  • Katholischer Deutscher Frauenbund
  • Katholische Frauengemeinschaft Deutschland Limburg
  • Katholische Frauengemeinschaft Deutschland Mainz
  • Bund Alt-Katholischer Frauen Deutschland
  • Frauenwerk der Evangelisch-Methodistischen Kirche

Kontakt: Ute Hohmeier, Referentin der Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau e. V. für Frauen, Bildung, Spiritualität in Rhein-Main und Weltgebetstag Telefon 06073 / 64 250, E-mail Ute.Hohmeier(at)EvangelischeFrauen.de


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