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Evangelische Frauen in Hessen und Nassau

Der Hessische Zweig wurde 1907 in Darmstadt, die Nassauische Frauenhilfe 1900 in Wiesbaden gegründet. Anlass war 1897 ein Aufruf der deutschen Kaiserin Auguste Viktoria. Vereinszweck der regionalen Frauenhilfegruppen war zuerst das gemeinsame Bibellesen, Armenfürsorge und Krankenpflege.

Der Hess. Verband ermöglichte Frauen bald eine praktische Ausbildung im Darmstädter Elisabethenstift, Frauenhilfegruppen eröffneten Pflegestationen und Kindergärten in Hessen. Ab 1928 betrieb der Verband ein Müttererholungsheim in Trautheim, ab 1933 ein zweites in Eppstein, das zum Nassauischen Verband gehörte.

Im Nationalsozialismus wurden Kleinkinderschulen und Pflegestationen von der NS-Frauenschaft übernommen, Frauenhilfegruppen durften sich nur noch zum Bibelstudium treffen. In manchen Gruppen wuchs Widerstand, andere waren konform mit dem Regime. 1936 - 38 hatten der Hessische und der Nassauer Verband mit Julie Haeraeus eine gemeinsame Vorsitzende, anschließend arbeiteten beide Verbände wieder eigenständig. Nach dem Zusammenbruch 1945 musste die Verbandsarbeit neu aufgebaut werden, 1953 erfolgte der endgültige Zusammenschluss beider Verbände.

Helene Storck, die in Birkenau die Bekennende Kirche organisiert hatte, wurde für zehn Jahre Vorsitzende des Verbands. Elly von Kuhlmann, seit 1938 Vorsitzende von Nassau,  gehörte ab 1950 wieder dem Vorstand an. Sie initiierte 1949 in Wiesbaden den ersten „Weltgebetstag der Frauen“ (WGT) in Hessen zusammen mit amerikanischen Frauen.

1955 wurde der Verband Mitglied des neu gegründeten Müttergenesungswerks. Das Mütterkurheim in Trautheim erhielt 1973 einen Neubau und wurde bundesweit zu einem der ersten Anbieter von Mutter-Kind-Kuren in Deutschland. Deutschlandweit wurden einmalig Sonderkuren für behinderte Mütter und Mütter mit behinderten Kindern angeboten, bis 1984 das Mütter-Kind-Kurhaus verkauft werden musste.

Nach 1955 entwickelte sich Bildungsarbeit zu einem neuen Schwerpunkt. Neben Bibelseminaren wurden Mütterschulen gegründet, die heutigen Evangelischen Familien-Bildungsstätten. In den 1970iger Jahren politisierte sich die Verbandsarbeit. Der § 218 wurde Thema, die Ausbildung ehrenamtlicher Kontakt- / Begleitpersonen in Zusammenarbeit mit der Stiftung für das Leben folgte. Seit 1976 beschäftigt der Verband Gemeindepädagoginnen, die im Gebiet der EKHN ehrenamtlich engagierte Frauen und Frauengruppen beraten und fortbilden. Ein anderer Schwerpunkt ist der WGT, der seit 1978 in ökumenischen Teams vorbereitet wird, deren Informationen sich jährlich im Schneeballsystem innerhalb der Gemeinden der Landeskirche verbreiten.

Das Katharina-Zell-Haus in der Erbacher Straße beherbergt seit 1994 die Geschäftsstelle des Verbands. Seit dem 01.06.2005 führt der Verband den Namen „Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e. V.“, dem heute über 400 Frauengruppen angeschlossen sind. Die EKHN hat den Verband beauftragt, die Frauenarbeit der Landeskirche zu gestalten. Der Verband beschäftigt 70 Mitarbeiterinnen in den Bereichen Familienbildung, FrauenGesundheit, FrauenBildungSpiritualität und FrauenReisen. Die Bildungsangebote werden in den Ev. Familien-Bildungsstätten des Verbands in Gießen, Offenbach, Wiesbaden und der Wetterau und dezentral durch Mitarbeiterinnen der FrauenBildungSpiritualität erbracht, sie erreichen jährlich 50.000 Menschen.

Lit.: sichtbar – unverzichtbar, Eine besondere Zeitreise zum Doppeljubiläum am 25.10.1997, Darmstadt, 1997, Evangelische Frauenhilfe in Hessen und Nassau e.V.

Textauszug aus dem „Stadtlexikon Darmstadt“, Herausgegeben vom Historischen Verein für Hessen im Auftrag des Magistrats der Wissenschaftsstadt Darmstadt, 2006 Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart