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"Bewahren Sie Ihre Geschichte!"

70 Jahre Weltgebetstag: Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V. feiert die größte ökumenische Bewegung weltweit mit einem feierlichen FrauenMahl in Frankfurt

„Der Weltgebetstag ist politisch, auch wenn er von vorneherein so nicht angelegt war“, so Angelika Thonipara, geschäftsführende Pfarrerin im Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V., in ihrer Begrüßung zum FrauenMahl am 4. Juni in Frankfurt. Der Verband hatte rund 60 Frauen eingeladen, gemeinsam das 70jährige Jubiläum des Weltgebetstages (WGT) auf dem Gebiet der EKHN zu feiern. Im festlichen Saal der Evangelischen Akademie Frankfurt wurden zwischen den Gängen anregende Impulsvorträge gehalten. Bereits im Grußwort wurde die Bedeutung der weltweit größten ökumenischen Laienbewegung für das Empowerment von Frauen deutlich. „Der WGT stärkt Frauen in ihrer Lebenswirklichkeit. Dazu gehört als erstes, dass sie ihre Wirklichkeit selbst beschreiben können; dass ihnen zugehört und nicht an ihren Worten nicht gezweifelt wird“, so Thonipara weiter. „‘Es werden kommen vom Osten und vom Westen, vom Norden und vom Süden, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes‘. Diese alte Vision und der Wunsch nach Grenzen überschreitendem Zusammensein, nach Versöhnung und Frieden lebt bis heute und wurde im WGT vorbildlich aufgenommen und umgesetzt. 1949, kurz nach dem 2. Weltkrieg, luden erstmals amerikanische und deutsche Frauen gemeinsam in Wiesbaden zum weltumspannenden Gebet ein. Der WGT ist völkerverbindend, ökumenisch und interreligiös – und damit zutiefst politisch. Themen, die heute auf der Tagesordnung stehen, wie Migration, Menschenhandel, Ökologie, Gewalt und Prostitution wurden im WGT immer wieder thematisiert.“

Die gegenwärtigen politischen Entwicklungen zeigen, dass der Weltgebetstag ein Format ist, das weiter gestärkt werden muss. Elementare Werte wie Gleichberechtigung und Selbstbestimmung, Friedensbereitschaft, Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Gewaltfreiheit und eine Demokratie, in der auch Schwache gesehen werden und Andersdenkende Raum haben – diese längst als selbstverständlich empfundenen Werte geraten zunehmend in Vergessenheit. Stattdessen gehen auch führende Staatschefs in aktive Konfrontationen. „Während andere Vereine nach siebzig Jahren in die Jahre gekommen sein mögen, wird diese streitbare Bewegung in Zeiten eines weltweit um sich greifenden Populismus und nationalistischer wie regressiver Tendenzen immer wichtiger“, unterstrich auch Christian Kaufmann in seinem Impulsvortrag die politische Bedeutung des Weltgebetstags. „Nach den Erfahrungen der Nazidiktatur erhoben evangelische Frauen ihre Stimme, um für eine demokratischere wie gerechtere Welt einzutreten und begründeten ein wichtiges und weltweit agierendes Netzwerk.“ Der stellvertretende Direktor und Studienleiter der Evangelischen Akademie Frankfurt überbrachte Grüße und Glückwünsche der Akademie, die 1946 ebenfalls als politische Bewegung gegründet wurde. Darüber hinaus verwies er auf Themen und Projekte, in denen Verband und Akademie bereits erfolgreich zusammenarbeiten, wie die Verleihung des Leonore-Siegele-Wenschkewitz-Preises.

Dr. Gabriele Mayer, Leiterin der Stabsstelle Gender und des Fachbereichs Interkulturelle Bildungsarbeit beim EMS (Evangelische Mission in Solidarität), ließ in ihrem Impulsvortrag die Frauen aus der weltweiten Ökumene zu Wort kommen. Anlässlich des FrauenMahls hatte sie WGT-Frauen aus Tansania, Nigeria, Indonesien und dem Libanon dazu befragt, wie der Weltgebetstag zu ihrem Empowerment beigetragen, also sie gestärkt und ermutigt hat. Besonders beeindruckt waren die Gäste von einem Foto aus Tansania aus dem Jahr 1968: Lange vor der ersten Frauenordination standen dort Frauen, feierlich in weiß gekleidet, vor der Gemeinde und hielten selbst den Gottesdienst. Mit ihrer Kollekte erwirtschafteten sie eigenes Geld, das sie selbstbewusst für eigene Projekte einforderten. Sie bauten ein eigenes Fundraising-System auf und traten Korruption und Unterschlagung mutig entgegen. Dr. Mayer sieht den Kern des Weltgebetstags im gemeinsamen Beten: „Im Mittelpunkt stehen die Frauen des jeweiligen WGT-Landes. Sie gilt es zu verstehen. Vielleicht funktioniert aus diesem Grund die ökumenische Zusammenarbeit beim WGT so besonders gut: weil Frauen nicht übereinander reden, sondern miteinander.

Anfang der 20er Jahre hatten die Frauenmissionswerke in den USA und in Kanada ihre Gebetstage zusammengelegt, um vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs gemeinsam ihrer Hoffnung auf Frieden Ausdruck zu verleihen. Bezeichnend war, dass sie dabei bewusst auf den Begriff „Mission“ verzichteten – sie wollten mit dem Weltgebetstag nicht missionieren, sie wollten sich gegenseitig auf Augenhöhe begegnen. „Darum geht es beim Weltgebetstag: Zuhören, den Frauen eines Landes eine Stimme geben und ihre Botschaft weltweit verbreiten. Mit den Frauen zu beten, nicht für sie“, so Professorin Ulrike Bechmann von der Universität in Graz. „Der Weltgebetstag erwartet und übt eine Spiritualität, die nicht sich selbst, sondern andere Frauen in den Mittelpunkt stellt. Eine Spiritualität, die von sich absehen kann, die den Worten je anderer Frauen Raum gibt, ohne nur das Eigene finden zu wollen.“ Mit dieser Haltung sei der Weltgebetstag auch sehr feministisch, so Bechmann: „Feministische Theologie fächert das Evangelium für Frauen neu auf, verschafft ihnen Raum, so beten zu dürfen, wie sie es für sich als passend empfinden. Frauen haben das Recht auf ihr eigenes Wort, das es zu respektieren gilt.“

Mit Blick auf das Jubiläum legte Professorin Bechmann den anwesenden Frauen abschließend noch einen Hinweis ans Herz: „Kümmern Sie sich um Ihre lokale und regionale Geschichte! Werfen Sie keine Protokolle weg, archivieren Sie alle Unterlagen und halten Sie die Namen der Frauen fest, die den Weltgebetstag in Ihrem Dorf und Ihrer Stadt gestalten. Viel zu oft geht Frauengeschichte verloren – bewahren Sie die Ihre!“

Wie bewegend der Abend war, brachte eine Teilnehmerin am Ende der Veranstaltung auf den Punkt: „Mit jedem Beitrag wurde ich stolzer, Teil dieser Bewegung zu sein.“

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