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Heimat finden am Rhein

Als die ersten Gäste am Rheinufer unweit des Fischtorplatzes in Mainz eintreffen, liegt die „Robert Stolz“ bereits vor Anker. Gut eine Stunde dauert es noch, ehe der Dampfer der Frankfurter Primus-Linie bei herrlichem Sonnenschein auf Fahrt in Richtung Norden gehen wird. Genug Zeit also, um sich mit den anderen Teilnehmern der Tages-Fluss-Tour bekannt zu machen und sich an Bord einen Platz entweder auf dem Oberdeck vorne in der Sonne oder weiter hinten unter der schattigen Markise auszusuchen. Nur wenige bleiben unter Deck.

Es ist eine fröhliche Runde, die sich an diesem Tag zusammenfindet, gemeinsam wird noch ein Transparent an der Steuerbordseite des Schiffes festgezurrt, „Evangelisches Rheinhessen“, auch die Menschen vom Ufer aus sollen sehen, wer da unterwegs ist. „Heimat finden am Rhein – Verbindendes und Trennendes“ – unter dieser Überschrift steht die Schifffahrt, zu der die Evangelische Erwachsenenbildung der Propstei Rheinhessen und Nassauer Land am vorletzten Samstag im August eingeladen hatte. Die Teilnehmer sind teils auch per Reisebus aus den Dekanaten Mainz, Alzey, Worms-Wonnegau, Ingelheim-Oppenheim angereist, in Kaub mitten im Rheingraben sollte später die Dekanin des Nassauer Lands, Renate Weigel, die Gäste zu einer Andacht begrüßen.

Der Rhein galt schon in der Antike als eine der wichtigsten Verkehrs- und Handelswege in Mitteleuropa, er hat auf seinen insgesamt 1232 Kilometern schon immer Reisende, Kaufleute, Soldaten und Händler von den Alpen bis an die Nordsee gebracht, er diente als Grenze und Verbindung – und war vor allem immer eines: HEIMAT. Und genau das ist also auch das zentrale Thema während der geselligen, äußerst kurzweiligen und gemütlichen Bildungs-Schiffsreise vorbei an Industrie, Obstplantagen und Weinhängen, Dörfern und Städten und hinein ins wildromantische Rheintal. Getränke werden serviert, an Bord gibt es ein Mittagessen.

Manche stehen an der Reling und blicken weit hinaus in die gemächlich vorbeiziehende Landschaft, zücken ihre Kameras. Das Biebricher Schloss steht majestätisch im Sonnenschein, von hoch oben über Ingelheim winkt der Bismarckturm und allmählich nähert sich das Schiff der Germania, der Wacht am Rhein und dem Binger Mäuseturm. Viele Geschichten und Legenden werden während der Fahrt zu Landschaft, Orten, Denkmälern erzählt, Gedichte und Niederschriften natürlich auch von Heine und Goethe. Endlich wird man über das „Binger Loch“ aufgeklärt, es geht gar nicht um die Tiefe, sondern um die schiffbare Breite des Rheins an jener Stelle.

Christoph Zimmer begleitet mit Saxophonmusik durch den Tag, der Mainzer Dekan Andreas Klodt hält einen Morgen – und am Ende eine Abendandacht mit Segen, Professor Werner Zager von der Profilstelle Bildung Worms-Wonnegau berichtete über den Rhein als Grenze und länderverbindenen Strom, Ulrike Lang, Referentin für Frauenarbeit im Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V. gibt Anleitungen, sich auf kreative und besinnliche Art einen Zugang zum eigenen Heimatgedanken zu erschließen, Martina Schott von der Fachstelle Bildung in Ingelheim-Oppenheim referiert zur Frage „Was bedeutet Heimat für Sie?“. Mit dabei sind außerdem Isa Mann von der Fachstelle für Bildung Mainz und Gregor Ziorkewicz, Stadtpfarrer am Alten Dom St. Johannis in Mainz, die ebenfalls Texte zum Thema „Heimat“ vorbereitet haben.

Flussab geht es schneller als erwartet, gut 40 Minuten zu früh legt die „Robert Stolz“ für den Besuch in Kaub an, hier ist auch ein Besuch zum Rheingrafenstein möglich. Aber erst einmal wieder festen Boden unter den Füßen, für zwei Stunden. Dann legt das Schiff wieder ab. Rüber nach Bacharach und von dort dann wieder im Abendsonnenschein in Richtung Süden, stromauf nach Mainz.

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