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Von wegen „Im Alter kommt der Psalter“: Erste FrauenFachKonferenz räumt mit überholten Altersbildern auf

„Die Menschen werden immer älter, und das zunehmend bei guter Gesundheit. Insbesondere Frauen haben eine immer höhere Lebenserwartung. Die früher von manchen geäußerte Vermutung, dass die Lebenserwartung von Frauen sich durch die Berufstätigkeit an die Lebenserwartung der Männer angleichen würde, bestätigt sich aufgrund der Statistik nicht“, so Petra-Angela Ahrens vom sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). „Nach der Berufstätigkeit bleiben ihnen oft noch gut 25 Jahre, die sie aktiv gestalten können – und wollen: Frauen bilden die überwiegende Mehrheit bei ehrenamtlicher Arbeit nicht nur im kirchlichen Leben, sondern auch, wenn es um den Einsatz zum Beispiel im kulturellen oder sozialen Bereich geht.“ In ihrem Impulsvortrag auf der ersten FrauenFachKonferenz, zu der der Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V. eingeladen hatte, belegte die Sozialwissenschaftlerin eindrucksvoll anhand aktueller Zahlen, wie wichtig die Generation 60+ für die Gesellschaft ist. Und für die Kirche: „Mehr als zwei Drittel der ehrenamtlich in der evangelischen Kirche Aktiven sind Frauen, insbesondere dieser Altersgruppe“, so Ahrens weiter – eine große Ressource, auf die kirchliche Arbeit nicht verzichten könne.

Rund 50 Frauen aus dem gesamten Gebiet der EKHN sowie der Schwesternverbände anderer Landeskirchen waren der Einladung ins Frankfurter Diakonissenhaus gefolgt und diskutierten lebhaft neue Perspektiven auf das Alter(n) im Kontext kirchlicher (Frauen-) Arbeit: Welchen angemessenen Umgang mit hochaltrigen Frauengruppen gibt es in den Regionen? Was können Gemeinden tun, um gute Rahmenbedingungen zu schaffen? Wie muss Kirche aussehen, damit sie für Frauen auch im Alter noch attraktiv ist? „In der Frauenarbeit ist es uns wichtig, von Erfahrungen zu hören, und die Erfahrungen von Frauen ernst zu nehmen“, so Angelika Thonipara, geschäftsführende Pfarrerin im Verband. „Gleichzeitig brauchen wir fachliche Informationen, Kenntnisse aus Wissenschaft und empirischen Untersuchungen. Daher haben wir dieses Format entwickelt. Die FrauenFachKonferenz ist eine Plattform für Begegnung und Vernetzung, Weiterbildung und Spiritualität.“.

Sowohl der Vortrag der Impulsreferentin als auch die anschließenden Workshops haben eines sehr deutlich gemacht: Gerade ältere Frauen sind eine wesentliche Säule kirchlicher Arbeit – und bleiben es auch. Hier hat Kirche noch eine wichtige Aufgabe vor sich: auch für ältere Frauen attraktiv zu bleiben. Denn entgegen der herkömmlichen Annahme kommen Frauen der Generationen 60+ nicht automatisch in die Kirche. Im Gegenteil: Kirchliche Bindung nimmt auch in dieser Altersgruppe zunehmend ab. Zwar wächst die Bereitschaft zur freiwilligen Mitarbeit spürbar, doch auch in Kommunen und in der Zivilgesellschaft gibt es zahlreiche Aufgaben für ehrenamtlich Interessierte. Vor diesem Hintergrund ist Kirche umso mehr gefordert, ein attraktives Betätigungsfeld zu bleiben. Zwei Drittel aller Ehrenamtlichen in der EKHN sind Frauen – eine große Ressource, auf die kirchliche Arbeit nicht verzichten kann. Doch was genau macht ein ehrenamtliches Betätigungsfeld für Frauen interessant? „Frauen wollen selbstbestimmt tätig sein“, so Thonipara. „Sie schätzen fachliche Förderung und die Würdigung ihrer Arbeit, suchen Spiritualität.“ Oft sei jedoch vielmehr das Gegenteil der Fall. Ältere Frauen sähen sich besonders häufig mit Vorurteilen und Entwertungen konfrontiert, auch innerkirchlich. Ahrens beschrieb dieses Phänomen mit dem sogenannten „doppelten Standard“: Während beispielsweise Falten bei Frauen häufig als Makel, als Schönheitsfehler angesehen werden, welche weggecremt werden sollen, gelten sie bei Männern oft als Zeichen für Reife und Weisheit. Diesen doppelten Standard erleben Frauen auch in der Kirche Und noch ein weiterer Aspekt ist hierbei zentral: Frauen im sogenannten dritten und vierten Lebensalter nehmen sich selbst wahr als sowohl Hilfe empfangende als auch im generationenübergreifenden Kontext Hilfe gebende Interaktionspartnerinnen. Wo beides im Gleichgewicht steht, gibt es die höchste Lebenszufriedenheit. Angebote, in denen sich Frauen auf diese Weise wahrnehmen können, erfahren großen Zuspruch. Klassische Gruppennachmittage mit Andacht, Kaffee und Kuchen sind nach wie vor sehr wichtig. Immer gibt es da einen thematischen Impuls mit Aussprache. „Kirchliche Frauenarbeit muss immer beides im Blick haben“, fasst Pfarrerin Janine Knoop-Bauer, theologische Referentin im Verband, die Ergebnisse aus den Workshops zusammen. „Zum einen braucht es eine große Wertschätzung gegenüber bestehenden Frauengruppen innerhalb von Gemeinden: diese Gruppen erfüllen für die Teilnehmerinnen eine wichtige soziale Funktion. Zum anderen muss Kirche differenzierte Angebote für Frauen der Generation 60+ entwickeln. Denn eines ist klar: Das eine Alter gibt es nicht, unsere Bilder vom Alter müssen bunter werden.“

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