100 Jahre Christa Springe
Welche Spuren hat Christa Springe im kirchlichen Leben hinterlassen – und wie wirken ihre Impulse bis heute weiter? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Veranstaltung „Der Blick von unten auf Kirche und Gesellschaft“ am 10. November von 14 – 19 Uhr in Mainz, die das Leben und Wirken der evangelischen Pfarrerin und Theologin Christa Springe in den Mittelpunkt stellt. „Christa Springes sozialethische Perspektive ist heute aktueller denn je“, sagt Pröpstin Henriette Crüwell: „Ihre Gedanken sind heute wertvolle Leitplanken für uns, wenn es darum geht, Kirche neu aufzustellen und sich wirksam in den Sozialraum einzubringen.“ Vorträge von Anette Neff, Wissenschaftliche Mitarbeiterin für historische Aufarbeitung und Erinnerungspolitik der EKHN, und Professor Franz Segbers, altkatholischer Theologe und Sozialethiker, beleuchten Biografie und Wirken von Christa Springe. Im anschließenden Podiumsgespräch diskutieren Ulrike Schmidt-Hesse (Dekanin i.R./ehem. Urban-Rural-Mission-Netzwerk des ÖRK), Dr. Christopher Scholz (Institutsleiter IPOS) und Dekan Volkhard Guth, was wir noch heute von Christa Springe lernen können und welche Impulse wegweisend sind – für den aktuellen Reformprozess der EKHN ebenso wie für eine demokratische und gleichberechtigte Gesellschaft.
Theologisches Denken und gesellschaftliche Verantwortung
In den 50er und 60er Jahren arbeitete sie in verschiedenen Aufgabenfeldern der kirchlichen Industrie- und Sozialarbeit – unter anderem in Witten, im Haus Villigst bei Schwerte, in der Evangelischen Akademie Bad Boll sowie ab 1965 als Leitungsmitglied im Seminar für Kirchlichen Dienst in der Industriegesellschaft in Mainz sowie in internationalen kirchlichen Funktionen. Sie setzte sich mit den sozialen Herausforderungen der modernen Arbeitswelt auseinander und verband theologisches Denken mit gesellschaftlicher Verantwortung. Sie verfolgte in theoretischer Reflexion wie praktischer Arbeit die Auswirkungen des Einflusses multinationaler Konzerne bis in die Verästelungen des privaten Lebens und der Wohnwelt hinein.
1977 bis 1984 war sie theologische Geschäftsführerin der Evangelischen Frauenhilfe in Hessen und Nassau. In einer Phase gesellschaftlicher Veränderungen förderte sie neue Formen der Zusammenarbeit und setzte Impulse für ein modernes Frauenleitbild in Kirche und Gesellschaft. Sie ermutigte Frauen, traditionelle Rollenerwartungen zu hinterfragen und ihre Anliegen selbstbewusst in kirchliche und gesellschaftliche Diskussionen einzubringen. Darüber hinaus engagierte sich Christa Springe international und ökumenisch. Sie wirkte unter anderem im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages mit und beteiligte sich an der Vorbereitung der Europäischen Ökumenischen Versammlungen. 1990 gründete sie „Kairos Europa“ mit und 1997 wurde sie Präsidentin des Ökumenischen Dorfes der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Graz. Von 1985 bis zu ihrem Ruhestand war Christa Springe Generalsekretärin der „Europäischen Arbeitsgemeinschaft Kirche und Arbeitswelt“ (ECG), die sie 1966 mitgegründet hatte. Von ihr mit initiiert war auch das europäische Netzwerk „Work and Economy Network in the European Churches“ (1986).
Kirche heute als Ort von Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe
Die Veranstaltung nimmt diese vielfältigen Stationen ihres Wirkens in den Blick und fragt, wie ihre theologischen und sozialen Impulse bis heute in Kirche und Gesellschaft hineinwirken können. Besonders im Fokus stehen Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, Parteinahme der Kirche für Arme und an den Rand Gedrängte sowie internationale Solidarität. „Christa Springe hat über viele Jahre hinweg wichtige Impulse für eine lebendige und gesellschaftlich offene Kirche gegeben“, sagt Jutta Jekel, Pfarrerin i.R. und Mitorganisatorin der Veranstaltung. „Ihr Einsatz für Beteiligung, ehrenamtliches Engagement und eine Kirche mitten in der Gesellschaft hat Entwicklungen angestoßen, die vielerorts bis heute sichtbar sind.“
Mit der Würdigung von Christa Springe soll nicht nur an eine engagierte Persönlichkeit erinnert werden. Zugleich lädt die Veranstaltung dazu ein, die von ihr angestoßenen Debatten und Perspektiven weiterzuführen und darüber nachzudenken, wie Kirche auch heute als Ort von Gerechtigkeit, Teilhabe und gesellschaftlichem Engagement gestaltet werden kann.
Pfarrerin i.R. Jutta Jekel und Pfarrer und Oberkirchenrat i.R. Dr. Thomas Posern führen durch die Veranstaltung. Sie wird gefördert durch die Stiftung Sozialer Protestantismus und unterstützt vom Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau, dem Zentrum Oekumene der EKHN und der EKKW sowie dem Zentrum Bildung und Gesellschaft der EKHN.
Kostenfreie Anmeldung ist ab sofort möglich unter https://www.zbg-ekhn.de/veranstaltungen.
Foto: EFHN
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