20 Jahre Bibel in gerechter Sprache
Wie verändern sich biblische Geschichten, wenn wir sie mit einem Blick für Geschlechtervielfalt, unterschiedliche Lebensrealitäten und tradierte Rollenbilder lesen? Seit 20 Jahren ermutigt die Bibel in gerechter Sprache, biblische Texte neu zu lesen und vertraute Vorstellungen von Gott, Mensch und Geschlecht kritisch zu hinterfragen. Das Jubiläum nimmt der Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau zum Anlass, gemeinsam mit Kooperationspartnerinnen zu drei Veranstaltungen einzuladen, die unterschiedliche Zugänge eröffnen: Bei „Diverse Debatten“ am 25. Oktober in Frankfurt geht es um die Impulse der Bibel in gerechter Sprache für eine vielfältige Theologie heute. Ein Online-Vortrag mit der Neutestamentlerin Professor Dr. Silke Petersen am 19. November nimmt Maria Magdalena und ihre unterschiedlichen Deutungen in Text und Tradition in den Blick. Und eine Führung durch die Ausstellung „Maria Magdalena: Sin. Pray. Love.“ im Frankfurter Städel Museum am 28. November führt schließlich mitten hinein in die jahrhundertelange Bild- und Rezeptionsgeschichte dieser außergewöhnlichen biblischen Frau. Alle drei Veranstaltungen laden dazu ein, miteinander darüber ins Gespräch zu kommen, was eine gerechte Sprache von Gott und vom Menschen bedeuten kann.
Diverse Debatten – 20 Jahre Bibel in gerechter Sprache
25. Oktober 2026, 14-18 Uhr, Friedenskirche Frankfurt
Vor 20 Jahren, am Reformationstag 2006, wurde die „Bibel in gerechter Sprache“ (BigS) der Öffentlichkeit übergeben. Bei ihrem Erscheinen hat sie diverse Debatten ausgelöst – und auch heute kann und will sie Debatten über eine zeitgemäße Sprache anstoßen: Es geht darum, die Impulse, die die „Bibel in gerechter Sprache“ gesetzt hat, weiterzuentwickeln, z.B. jüngere und zukünftige Generationen mit der ALLE KINDER BIBEL anzusprechen und queere Themen in der Gottesanrede aufzugreifen. In Workshops und Gesprächen beleuchtet die Veranstaltung Diverse Debatten – 20 Jahre Bibel in gerechter Sprache vielfältige Perspektiven auf Diversität und Theologie: am Sonntag, den 25. Oktober 2026, von 14 bis 18 Uhr in der Frankfurter Friedenskirche (Frankenallee 150). Und in der begleitenden Ausstellung „GenderVarianten Digital“ des Bibelhaus ErlebnisMuseum Frankfurt kommen Textforschung & Data Science Gender-Bias in Handschriften des Neuen Testaments auf die Spur: eine Ausstellung zu Geschlechtervielfalt in den antiken Texten der Bibel.
Eingeladen sind alle, die sich freuen an Diversität: in Konfession & Religion, in Alter & Geschlecht, in Körper-Farben & Körper-Formen und in Musik. Die Teilnahme ist kostenfrei, um Spenden wird gebeten. Anmeldung bitte bis zum 15. Oktober an anmeldung@evangelischefrauen.de (Betreff: BigS Jubiläum).
20 Jahre Bibel in gerechter Sprache – Maria Magdalena zwischen Text und Tradition.
19. November 2026, 19-20:30 Uhr, online
Die „Bibel in gerechter Sprache“ ist in mehrfacher Hinsicht gerecht: Sie versucht, dem Ursprungstext gerecht zu werden und macht vor allem die Frauen in den biblischen Geschichten sichtbar. So auch Maria Magdalena: Sie ist im Johannes-Evangelium sowohl Zeugin der Kreuzigung Jesu wie auch die erste Person, die dem Auferstandenen begegnet. Am Grab erhält Maria Magdalena von Jesus den Auftrag, den anderen von dessen Auferstehung zu verkündigen. In der späteren Rezeptionsgeschichte wird eben diese Maria allerdings viele Verwandlungen durchlaufen: von der büßenden Sünderin in Südfrankreich und der reuigen Prostituierten bis zur Geliebten oder Ehefrau Jesu und Mutter seiner Kinder. Durch diese veränderte Deutung ihrer Person in Religion, Literatur und Kunst wurde die bedeutsame Rolle Maria Magdalenas für das frühe Christentum in den Hintergrund gedrängt. Professorin Dr. Silke Petersen, Mitübersetzerin der Bibel in gerechter Sprache, geht es in ihrem Online-Vortrag Maria Magdalena zwischen Text und Tradition am 19. November von 19-20:30 Uhr um beide Seiten: um die Rezeptionsgeschichte rund um Maria Magdalena sowie um die Herausforderungen einer Übersetzung in „gerechter Sprache“ am Beispiel von Kapitel 20 des Johannes-Evangeliums. Anschließend besteht die Möglichkeit, mit der Referentin ins Gespräch zu kommen. Eine Veranstaltung der Evangelischen Frauen im Rheinland in Kooperation mit dem Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau sowie der Stabsstelle Vielfalt und Gender der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Die Teilnahme an dieser Online-Veranstaltung ist kostenfrei. Um eine Anmeldung wird dennoch gebeten, da der Link zur Videokonferenz vorab per E-Mail versendet wird: zur Anmeldung.
Ausstellungsführung „Maria Magdalena: Sin. Pray. Love.“
28. November 2026, 14:15 bis 16:30 Uhr (60-minütige Führung von 14:30 bis 15:30 Uhr), im Frankfurter Städel Museum
Ergänzend zu der Online-Veranstaltung „Maria Magdalena zwischen Text und Tradition – 20 Jahre Bibel in gerechter Sprache“ laden die Evangelischen Frauen im Rheinland in Kooperation mit dem Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau ein zu einer exklusiven Gruppenführung durch die Sonderausstellung „Maria Magdalena: Sin. Pray. Love.“ im Frankfurter Städel Museum. Das Museum präsentiert erstmals eine umfassende Ausstellung zur außergewöhnlichen Figur der Maria Magdalena. Die Schau zeichnet nach, wie sich ihr Bild im Laufe der Jahrhunderte wandelte – von der Apostelin und treuen Anhängerin Jesu zur Sünderin und asketischen Büßerin, über die ekstatische Heilige bis hin zur modernen, selbstbestimmten Frau als Identifikationsfigur. Mehr als 100 Gemälde, Skulpturen und Grafiken vom Mittelalter bis in die Gegenwart zeigen in der Sonderausstellung die vielfältigen Deutungen der Maria Magdalena: Sie ist sowohl Projektionsfläche kultureller und religiöser Vorstellungen als auch eine eigenständige, vielstimmige Gestalt, die zwischen Körper, Glaube und den ihr zugeschriebenen gesellschaftlichen Rollen vermittelt. Zugleich verfolgt die Schau ihre ikonografische Transformation bis in die Populärkultur und macht sichtbar, wie jede Epoche ihre eigenen Fragen, Ideen und Sehnsüchte in die Figur eingeschrieben hat.
Die Teilnahme an der Ausstellungsführung kostet 32 Euro (inkl. Eintritt), Anmeldeschluss ist der 23. November 2026. Anmeldung auf der Homepage der Evangelischen Frauen im Rheinland.
Foto: Verlag am Birnbach
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