Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

Antifeminismus und rechte Akteur*innen

Antifeminismus bedeutet …
… das Problem der Mehrfachbelastung von Frauen damit zu lösen, dass sie sich nur auf Haushalt und Familie konzentriert.
… Transfrauen oder Männer mit Migrationshintergrund als größte Gefahr für („deutsche“ d.h. weiße) Frauen darzustellen, während die meiste Gewalt gegen Frauen innerhalb oder nach einer Paarbeziehung stattfindet.
… Menschen vor Beratungsstellen oder Praxen zu belästigen, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen wollen.
… den Schutz von Kindern zu nutzen, um queere Menschen zu stigmatisieren und ihre Rechte einzuschränken. Dabei spielt es keine Rolle, dass Millionen Kinder armutsgefährdet sind.

Antifeminismus ist eine zentrale Strategie von Rechtspopulisten und Rechtsextremisten. Sie nutzen es aus, dass Antifeminismus im Vergleich zu Rassismus oder Antisemitismus weniger als menschenfeindlich erkannt und gewertet wird. Gleichzeitig bieten Themen wie der (vermeintliche) Schutz von Frauen und / oder Kindern ein großes Potenzial, Menschen zu erreichen und zu mobilisieren, die sich selbst eher in der Mitte der Gesellschaft verorten.

Zentrales Anliegen von Feminismus ist, Stereotype aufzubrechen und ein besseres Leben für alle Menschen zu ermöglichen. Das etwa Jungs nicht mehr mit dem Ende der Grundschule dazu übergehen, Gefühle, die als „weiblich“ konnotiert sind, zu unterdrücken und aufhören, sie nach außen zu kommunizieren. Wir wollen irgendwann an den Punkt kommen, dass Dinge, die als „weiblich“ gelten, nicht mehr gesellschaftlich abgewertet werden; seien es Gefühle oder Berufe, die überwiegend Frauen ausüben.

Antifeminismus hingegen richtet sich genau gegen solche Bestrebungen: gegen die Beseitigung von Sexismus, gegen die Umsetzung von Gleichberechtigung oder gegen die Stärkung geschlechtlicher und sexueller Selbstbestimmung. Er ist mittlerweile zu einer breiten Strömung geworden, die unterschiedliche gesellschaftliche, politische, religiöse und akademische Akteur*innen umfasst und sich gezielt und organisiert gegen Feminismus und geschlechtliche Emanzipationsbewegungen wendet.

Populistische und extrem rechte Akteur*innen nutzen antifeministische Narrative geschickt für sich. Ihre Präsenz und das Erstarken menschenfeindlicher Ideologien in den vergangenen Jahren in Deutschland geht daher auch mit einem Erstarken von Antifeminismus einher.
Dass Feminist*innen und die Gleichheit der Geschlechter dabei als Bedrohung für die gewohnte Ordnung inszeniert werden, fällt in der Mitte der Gesellschaft auf fruchtbaren Boden. Über antifeministische Themen können Menschen und breite Bündnisse bis weit in die politische Mitte angesprochen, mobilisiert und organisiert werden. Sie übernehmen so eine Brückenfunktion hinein in konservative oder bürgerliche Kreise.

Solche Narrative finden sich auch auf AfD(-nahen) Social Media Accounts. Wenn man nicht direkt offensiv mit dem Narrativ von der „Frau am Herd“ kommen will, dann spielt dort Femonationalismus oft eine wichtige Rolle, um sich einen Anstrich als Verteidiger*in von Frauen (und Kindern) zu geben. Femonationalismus heißt, das Frauenrechte und feministische Forderungen, wie Selbstbestimmung oder Gewaltschutz rassistisch, nationalistisch oder sexistisch instrumentalisiert werden, meist um migrantische Männer zu stigmatisieren.

Ein beliebtes Argument gegen alle Arten von Kritik an solchen und anderen menschenfeindlichen Positionen, ist die Berufung auf die Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit und das Einfordern von Toleranz werden oft besonders von denen großgeschrieben, die andere Meinungen als die eigene nicht anerkennen und tolerieren. Der jüdisch stämmige Philosoph Karl Popper formulierte hierzu 1945 das so genannt Toleranz-Paradoxon.
„Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“
Zum Schutz der Toleranz und Meinungsfreiheit müssen wir bisweilen intolerant sein und die Meinungsfreiheit muss eingeschränkt werden, wenn sie die Gesamtheit bedroht. Denn wer die Meinung anderer nicht toleriert, kann für sich selbst auch keine Meinungsfreiheit beanspruchen, da die grundsätzliche Spielregel der Toleranz nicht eingehalten wird.
Wer die Meinung anderer nicht toleriert, kann für sich selbst auch keine Meinungsfreiheit beanspruchen, da die grundsätzliche Spielregel der Toleranz nicht eingehalten wird.
Bei antifeministischen Angriffen wird oft eine sehr emotionale Rhetorik verwendet, dadurch viel Aufregung erzeugt und eine hohe Mobilisierung erreicht. Einige Beispiele wurden eingangs schon genannt: Transrechte als Gefährdung von Kindern oder Frauen, Schwangerschaftsabbrüche als angebliche Kindstötungen oder Hetze gegen migrantische Männer als Gefahr für Frauen (besonders natürlich für „deutsche“ Frauen). Letzteres haben wir erst vor kurzem im Zuge der „Stadtbild“-Aussage von Friedrich Merz deutlich gesehen. Damit wird deutlich, wie anschlussfähig diese Narrative sind.

Dadurch geraten zivilgesellschaftliche Organisationen immer wieder ins Kreuzfeuer massiver Angriffe und Hetze. Besonders Organisationen, die sich für queere Rechte und Frauenrechte einsetzen, die etwa Schwangerschaftsberatungen anbieten oder zu geschlechtsspezifischer Gewalt arbeiten, aber auch allgemeine Demokratie- oder Kulturprojekte. Hier sorgt die AfD, oft im Zusammenspiel mit der Union auf kommunaler Ebene, immer öfter dafür, dass Fördergelder nicht bewilligt werden; meist mit dem Argument mangelnder Neutralität oder Meinungsvielfalt.

Wie erfolgreich diese Rhetorik ist, bei der es fast immer um Emotionen und selten um Fakten geht, egal ob im Internet, in Talkshows oder bei einem öffentlichen Auftritt, war in den vergangenen Jahren immer wieder im Rahmen von Wahlkämpfen zu beobachten: in Großbritannien, den USA und auch hier in Deutschland. Diese permanente aggressive Rhetorik gegen Minderheiten und überzogener wirtschaftlicher Protektionismus löst keines der realen Probleme, die Menschen in ihrem Alltag haben. Der Populismus der 2010er Jahre hat in vielen Demokratien das gesellschaftliche Klima auf negative Weise nachhaltig beschädigt.

Bei allem Ernst der Lage, sollten wir aber auch die Erfolge nicht übersehen. Trotz hoher Umfragewerte und historischer Wahlergebnisse scheitert z.B. die AfD gerade häufiger bei der Wahl von Direktkandidat*innen . Das zeigt, dass sich das Eintreten für Feminismus und Demokratie lohnt. Und es wird auch in Zukunft notwendig bleiben gegen Populismus und Antifeminismus die Stimme zu erheben.

Newsletter

Mit der Anmeldung erkläre ich mich damit einverstanden, dass Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V. (EFHN) mich per E-Mail über aktuelle Entwicklungen, Termine und Schwerpunkte in der Frauen- und Verbandsarbeit informieren darf. Der Verband wird meine Daten ausschließlich zu diesem Zweck nutzen. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nur insoweit sie zur Durchführung dieses Angebots erforderlich ist. Mir ist bekannt, dass ich meine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen kann.