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Some Refugees are more welcome

Warum sind nicht alle Geflüchteten gleichermaßen willkommen?

Als im vergangenen August die Taliban die Macht in Afghanistan übernahmen, war die Anteilnahme für Geflüchtete aus Afghanistan groß. Besonders viele Frauen, die berufstätig und gebildet waren hatten und haben Angst vor der erneuten Herrschaft der Islamisten und die Sorge um sie war groß. Groß war dann auch das Unverständnis vieler Menschen, wie unkoordiniert und ineffektiv die Evakuierungen abliefen. Zahllose Menschen wurden zurückgelassen, weil sie nicht die nötigen Papiere oder Kontakte hatten. Und auch solche, die Zusagen und Kontakte hatten, aber aus dem einen oder anderen Grund nicht an den Flughafen kommen konnten oder nicht rein gelassen wurden. Chaotik internationaler Zusammenarbeit und Versagen auch deutscher Behörden wurden sichtbar.

Gut ein halbes Jahr später folgte der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Spätestens jetzt wurden Afghanistan und andere Krisenregionen der Welt fast gänzlich aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verdrängt. Es gab nur noch ein Thema. Millionen Menschen waren plötzlich innerhalb Europas auf der Flucht. Und Polen, das noch Wochen zuvor Geflüchtete aus dem Nahe Osten im Grenzgebiet zu Belarus zurückgedrängt hatte, nahm nun mehr Menschen aus dem Nachbarland auf als irgendein anderes EU-Land.

Faktisch über Nacht wurden bürokratische Prozesse europaweit erleichtert, Geflüchtete mit ukrainischen Papieren durften kostenlos die Verkehrsmittel benutzen, der Zugang zum Arbeitsmarkt, Schulen und Universitäten und die Anerkennung von Abschlüssen wurden vereinfacht.

Da erwachsene Männer das Land kaum verlassen können, waren und sind die Mehrzahl der Geflüchteten aus der Ukraine Frauen und Kinder. Der großen Unterstützung dieser geflüchteten Frauen stehen zahllose Flüchtlinge aus anderen Kriegsgebieten und Krisenregionen gegenüber. Unzählige afghanische Frauen sind auf der Flucht, weil sie die Repressionen und Rache der Taliban oder auch ihrer Familien fürchten. Und für sie wurde es in den letzten Monaten immer schwerer, überhaupt das Land zu verlassen, da die Bewegungsfreiheit von Frauen täglich stärker eingeschränkt wurde: Ohne männliche Angehörige dürfen sie sich nur noch in einem gewissen Umkreis um ihren Wohnort bewegen und das Land nicht mehr verlassen.

So sehr es den Geflüchteten aus der Ukraine zu gönnen ist, dass in einer furchtbaren Situation bürokratische Hürden abgebaut werden und versucht wird, ihnen ein neues Leben zu erleichtern, so sehr bleibt die bittere Frage: Warum erst jetzt und warum nur für sie?

Auf allen Stationen der Flucht, in der Ukraine, an den Grenzen und auch in Deutschland gab es auch diesmal zahlreiche Berichte von Menschen, die nicht „ukrainisch aussahen“, Studierende aus afrikanischen Ländern, Menschen, die in die Ukraine geflüchtet sind – zum Beispiel aus Afghanistan – oder ukrainische Menschen mit Migrationshintergrund, die Benachteiligung und Diskriminierung erlebt haben.
In Deutschland berichten Asylbewerber*innen, dass sie in andere, schlechtere Unterkünfte verlegt wurden, um Platz für Geflüchtete aus der Ukraine zu schaffen. Menschen, die direkt oder indirekt für die Bundeswehr oder andere deutsche Einrichtungen in Afghanistan gearbeitet haben, müssen sich mit teils aberwitzigen bürokratischen Hürden herumschlagen. Unzählige, hochqualifizierte Geflüchtete bekommen für ihre Abschlüsse keine adäquate Anerkennung, und selbst wenn sie die Möglichkeit hätten, dürfen sie die ersten Monate während eines Asylverfahrens nicht arbeiten. Zu welchem anderen Schluss kann man da kommen als dem, dass mit zweierlei Maß gemessen wird?

Sie alle sind Menschen, die durch äußere Umstände gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen. In der Regel unter traumatischen Bedingungen. Gewalterfahrungen, Verlust von Angehörigen, das zurücklassen der gesamten Existenz und des bekannten Lebens – solche Erfahrungen haben viele, wahrscheinlich sogar alle Geflüchtete in der einen oder anderen Weise erlebt, egal ob sie aus der Ukraine kommen, aus Afghanistan, Somalia oder von anderswo. Egal wie sie aussehen, egal welche Sprache sie sprechen, egal welche Religion sie haben. Sie alle haben die gleichen Menschenrechte, warum also behandeln wir und die Politik sie so unterschiedlich?

Daher muss unsere Forderung lauten: Gleichbehandlung jetzt! Für alle Geflüchteten!

„Es ist richtig und wichtig, dass all den Menschen in Not, die von Putins Angriffskrieg betroffen sind, so schnell wie möglich geholfen wird. Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack und die Frage, warum nicht dasselbe für „uns“ galt. Eine akademische Karriere oder eine Verbeamtung hätte meiner Mutter und meiner gesamten Familie Existenzängste erspart, die uns bis heute begleiten.“

Emran Feroz
(https://taz.de/Rassismus-auf-der-Flucht/!5856677/)

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