Katharina-Zell-Preis

Der Katharina-Zell-Preis 2026 ging an die Journalistin Sophie von der Tann. Die feierliche Preisverleihung fand am 7. September 2026 in Frankfurt statt.

Die Reformatorin Katharina Zell könnte von dem Wort aus Apg 18,9 „Rede und schweige nicht“ geprägt gewesen sein: Sie ließ sich nicht mundtot machen, sondern trat konsequent für Glaubens‐ und Gewissensfreiheit ein, verbreitete die reformatorischen Ideen über Flugblätter und vertrat unerschrocken ihre Meinung.

Der Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau verleiht jedes Jahr im Gedenken an Katharina Zell den Katharina‐Zell‐Preis in Form eines silbernen Flugblatts an eine Frauen*, die sich in der Gesellschaft, in der Frauenarbeit, in Kirche oder Diakonie herausragend engagiert haben; die sich Widerständen entgegengestellt, auf vielfache Weise zu einem guten Leben beigetragen haben und ein Vorbild für mutiges und unerschrockenes Frauenleben sind.
Fotos: Joachim Storch

Preisverleihung 2026 an Sophie von der Tann

Journalistin Sophie von der Tann erhält Katharina-Zell-Preis

Der Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau hat Anfang September in Frankfurt am Main die Journalistin Sophie von der Tann mit dem Katharina-Zell-Preis 2026 ausgezeichnet. Mit dem Preis würdige der Landesverband das couragierte journalistische Engagement der 35-jährigen Hessin, insbesondere ihre „kenntnisreiche, differenzierte und mutige“ Berichterstattung über den Krieg in Israel und Gaza sowie die Entwicklungen im Nahen Osten, erklärte die geschäftsführende Pfarrerin Anja Schwier-Weinrich.
Ursula Schmidt, die Vorsitzende des Landesverbandes, überreichte den Preis in Form eines silbernen Flugblatts mit dem eingravierten Imperativ „Rede, schweige nicht!“. Sophie von der Tann plädierte in ihrer Dankesrede für einen faktenbasierten, transparenten Journalismus, der immer das zeigen müsse, was das Gegenüber bewege. Sie widmete ihren Preis der Aktivistin Ronny Wallach aus Israel, der kriegsversehrten Dalia al-Fakhoury aus dem Gazastreifen sowie der evangelischen Jerusalemer Pfarrerin Ines Fischer.

„Rede, schweige nicht!“

Der Preis erinnert an die elsässische Reformatorin Katharina Zell (um 1497-1562). Trotz mehrfachen Schweigegebots setzte sie sich für ihre Überzeugungen ein, verfasste theologische Schriften, führte öffentliche Auseinandersetzungen und engagierte sich für Geflüchtete. Der Preis wird seit 2016 an Frauen verliehen, die couragiert für ihre Überzeugungen und für ein gutes Leben für alle eintreten. Zu den bisherigen Preisträgerinnen gehören unter anderen VdK-Präsidentin Verena Bentele, Moderatorin und Schauspielerin Sonya Kraus sowie die Ärztin Kristina Hänel.
Die Preisträgerin stammt aus Tann in der Rhön. Sie berichtete von August 2021 bis Ende Juli 2026 aus Israel und den palästinensischen Gebieten. Für ihre Berichterstattung wurden ihr mehrere Preise verliehen, unter anderem 2025 der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, was eine kontroverse Debatte auslöste. Auch die Zuerkennung des Katharina-Zell-Preises sorgte für Kritik.
Darauf ging die Berliner Schauspielerin und Aktivistin Gesine Cukrowski in ihrer Laudatio ein. „Gerade in einer der unübersichtlichsten, eingeschränktesten und aufgeladensten Krisenregionen der Welt, deren Berichterstattung reflexartig von der jeweils anderen Seite als unglaubwürdig geframt wird, je nachdem, in welche Agenda sie gerade nicht passt, die ein Richtig oder Falsch per se nicht zulässt.“ Sophie von der Tanns Waffe dagegen sei Transparenz.
Sie sei mutig und unerschrocken, sagte Cukrowski. Ihre klare Haltung ordne sich dem Anspruch der journalistischen Objektivität unter – dem Aufgeben der eigenen, persönlichen Perspektive zugunsten einer übergreifenden.
Cukrowski adressierte auch die Kritiker der Preisträgerin. „Immer wieder war sie hier in Deutschland, wie so viele ihrer Kolleginnen, mit dem typisch patriarchalen Gehabe konfrontiert, das versucht, höchstqualifizierte Journalistinnen wie von der Tann auf Alter und Aussehen zu reduzieren und ihr über diesen eingetretenen Pfad altbekannter Herabsetzungsversuche ihre berufliche Qualität schmälern zu wollen.“

Preisverleihung im Rahmen des Studientags

Die Preisverleihung fand im Rahmen des gemeinsamen Studientages des Landesverbands Evangelische Frauen und des Pfarrerinnen- und Pfarrervereins der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau statt. Unter dem Titel „Wenn die Wahrheit auf der Strecke bleibt …“ beschäftigte sich der Studientag mit Wahrheit, Desinformation und der Frage, wie Menschen und Institutionen mit einer zunehmend komplexen Informationswelt umgehen können. Zu den Mitwirkenden gehörten unter anderen die Religionsphilosophin Claudia Paganini, der FAZ-Journalist Reinhard Bingener, die kurhessische Bischöfin Beate Hofmann und der Kabarettist Florian Schroeder.

Das Leben der Katharina Zell

Katharina Zell war eine mutige Frau der Reformation. Sie lebte von 1497 bis 1562. Ihr Name steht für Mut, Wissbegier, Zuversicht und Ausdauer. In einer Zeit, in der es nicht üblich war, dass Frauen sich zu Wort melden, verfasste Katharina Zell eigene Schriften, Briefe und Predigten.

1498
1523
1524
1525
1526–1533
1538
1541
1548
1555
1562
geboren in Straßburg
Trauung von Katharina Schütz Zell und Matthias Zell im Straßburger Münster durch Martin Bucer
Katharina verteidigt in einem Brief an den Bischof die Priesterehe
hilft bei der Organisation der Flüchtlingshilfe in Straßburg
Geburt und Tod ihres ersten und ihres zweiten Kindes
Gründung einer Akademie zur Förderung des theologischen protestantischen Nachwuchses, Beherbergung von Studenten
Die Pest wütet in Straßburg. Katharina hilft, wo sie kann
Matthias Zell stirbt. Katharina hält eine spontane Grabrede. Sie arbeitet weiter in der Gemeinde und kümmert sich um Arme u. Flüchtlinge
Augsburger Religionsfrieden; Katharina kämpft für eine tolerante Haltung gegenüber unterschiedlichen evangelischen Strömungen
Katharina ist seelsorgerisch und schriftstellerisch tätig. Sie stirbt am 5. September 1562 mit 65 Jahren.

Die Preisträgerinnen

Preisträgerin 2026: Sophie von der Tann

Am 7. September 2026 wurde der Katharina-Zell-Preis an die Journalistin Sophie von der Tann verliehen. Die Preisverleihung fand in der jugendkulturkirche st. peter in Frankfurt statt. Die Laudatio hielt die Schauspielerin und Autorin Gesine Cukrowski.

Preisträgerin 2025: Sarah Vecera

Am 2. September 2025 wurde der Katharina-Zell-Preis an die Theologin, Podcasterin und Bildungsreferentin Sarah Vecera verliehen. Die Preisverleihung fand in der Evangelischen Hochschule Darmstadt statt. Die Laudatio hielt die in Frankfurt lebende Journalistin, Autorin und Moderatorin Hadija Haruna-Oelker.

Preisträgerin 2024: Sunny Graff

Am 29. November 2024 wurde der Katharina-Zell-Preis an Sunny Graff (Frauen in Bewegung e.V.) verliehen. Die Preisverleihung mit anschließender Diskussion fand im Rahmen der Orange Days in der Evangelischen Christuskirche Mainz statt. Die Laudatio hielt Claudia Altwasser, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrats und Vizepräsidentin des Landessportbunds Rheinland-Pfalz.

Preisträgerin 2023: Verena Bentele

Am 25. Oktober 2023 wurde der Katharina-Zell-Preis im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Darmstadt an Verena Bentele, VdK-Präsidentin Verena Bentele  verliehen. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung.

Preisträgerin 2022: Sonya Kraus

Am 13. Oktober 2022 wurde der Katharina-Zell-Preis im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Frankfurt an Sonya Kraus verliehen.

Preisträgerin 2020: diakonische Gemeinschaften

Am 6. September 2020 wurde der Katharina-Zell-Preis an die drei Mitgliedsverbände

Ev. Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e.V.
Frankfurter Diakonissenhaus
Elisabeth-Gemeinschaft e.V.

im Rahmen eines Gottesdienstes im Diakonissenhaus in Frankfurt verliehen.

Preisträgerin 2019: Kristina Hänel

Am 10. November 2019 wurde der Katharina-Zell-Preis an Kristina Hänel im Rahmen eines Gottesdienstes in der Ev. Kirche Leihgestern verliehen.

Preisträgerin 2018: Gerlinde Nintzel

Am 9. Dezember 2018 wurde der Katharina-Zell-Preis an Gerlinde Nintzel im Rahmen des Frauengottesdienstes am 2. Advent in der Ev. Kirche Roßdorf verliehen.

Preisträgerin 2017: Bettina Luck

Am 15. Oktober 2017 wurde der Katharina-Zell-Preis an Bettina Luck im Rahmen des Frauengottesdienstes am 2. Advent in der Ev. Stiftskirche zu Gemünden verliehen.

Preisträgerin 2016: Magda Schwalb

Am 27. November 2016 wurde der Katharina-Zell-Preis 2016 an Magda Schwalb im Rahmen des Gemeindegottesdienstes in der Evangelischen Kirche zu Beuern verliehen.