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Andacht zum Weltfrauentag

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit!

Die Kölner Komikerin Caroline Kebekus ist nicht auf den Mund gefallen. Doch sie hat lange gebraucht, um sich als Feministin zu bezeichnen. Irgendwie fiel es ihr schwer. Dann hat sie gleich ein ganzes Buch darüber geschrieben: „Es kann nur eine geben!“. Es ist ein flammendes Plädoyer für Feminismus und Frauensolidarität.

Warum ist Feminismus so aus der Mode gekommen? Vielleicht, weil bei diesem Begriff viele immer nur an die streitfreudige Alice Schwarzer, Titelseiten des Sterns aus den 1970ern und die nicht endenden Diskussionen um den Paragrafen 218 denken. Weil er häufig als verstaubt gilt, schwer zu kommunizieren und längst von Debatten ums Gendern abgelöst ist. Diese Makel haften dem Feminismus an. Dabei ist er so aktuell wie eh und je – und feministische Forderungen auch.
Kebekus beschreibt launig und locker, dass in beliebten Büchern ihrer Kindheit und heutigen Kinderserien das Verhältnis ein Mädchen zu drei Jungen vorherrscht. In Filmproduktionen vergangener Jahre seien Männer zu zwei Dritteln zu sehen, Frauen aber nur zu einem Drittel. Und der Sprechanteil von Frauen liegt gerade einmal bei rund 30 Prozent – selbst, wenn sie die Hauptrolle spielen.

Noch weniger auffällig sind Frauen beim existentiellen Thema Armut. Gut ein Fünftel der Menschen über 80 Jahren lebt in Einkommensarmut, davon fast doppelt so viele Frauen wie Männer.

Ich sehe das in meinem eigenen Umfeld. So viele Frauen bekommen eine zu geringe Rente – nach Elternzeit, Teilzeit, Scheidung und ehrenamtlichem Engagement. Ein Beispiel: 2019 waren 80 Prozent des Krankenpflegepersonals und 84 Prozent des Personals in der Altenpflege weiblich. Dass der Einsatz für die Gesellschaft und Carearbeit immer noch in die Armut führt, ist ungerecht und erschüttert mich. Schauen wir hin, wo Frauen strukturell benachteiligt sind. Lasst uns das ändern! Hat Jesus nicht neue Rollenbilder gezeigt?

In Deutschland wird alle drei Tage eine Frau von ihrem Partner oder Expartner getötet. Und noch immer gibt es nicht genügend Plätze in Frauenhäusern, um allen eine sichere Zuflucht zu bieten. Frauengruppen und Frauenhilfen in den Kirchengemeinden ermutigen Frauen, sich gegen Gewalt zu wehren. Nicht selten bieten sie auch Wohnung und Unterstützung.

Wir setzen uns auch für die Ächtung von sexualisierter Gewalt gegen Frauen in Kriegen ein. Die japanische Armee hat während des Zweiten Weltkriegs rund 200.000 junge Frauen und Mädchen, hauptsächlich aus besetzten Gebieten, als sogenannte „Trostfrauen“ in die Sex-Sklaverei gezwungen. Seit zwei Jahren steht die Mädchenstatue als Mahnmal gegen diese Kriegstaktik im Frankfurter Gallusviertel. Vergewaltigungen und Zwangsprostitution gilt es zu ächten. Die Kriegsfolgen für die ukrainischen Frauen haben wir genau im Blick.

Die Evangelien sprechen vom Reich Gottes, einer Gerechtigkeit, für die wir uns schon hier auf Erden einsetzen sollen. Diese Texte haben mich schon immer beeindruckt und beeinflusst. Nicht nur in den Zeiten, in denen ich in Lateinamerika Frauenarbeit gemacht habe, sondern auch jetzt im Landesverband der Evangelischen Frauen, versuche ich genau hinzuschauen, wo Frauen eingeschränkt oder ihre berechtigten Anliegen nicht gehört werden. Für mich tut Feminismus genau das. Gut, wenn er uns Frauen anspornt, uns zu verbünden und zu vernetzen. Der Weltfrauentag am 8. März ist ein guter Anlass, sich das wieder bewusst zu machen.

Andacht von Anja Schwier-Weinrich, geschäftsführende Pfarrerin, Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V.

erschienen in der Evangelischen Sonntagszeitung anlässlich des Weltfrauentags am 8. März

 

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